Skip to content
Back to all

Warnhinweise: Kleiner Hinweis – Große Wirkung!

Background Blur

Wer hat sich nicht schon über Sinn und Unsinn dieser Warnhinweise in Form von kleinen lustigen Bilder auf der Produktverpackung gefragt, die auf orangefarbenem Hintergrund eine Flamme einen verdorrten Baum oder vielleicht sogar einen Totenkopf zeigen.  Aber Gott sei Dank gibt es diesen Totenkopf als Warnhinweis ja doch recht selten, oder?

Ganz so unbeschwert und leichtsinnig sollten wir aber auch an die Verwendung der mit Warnhinweisen gekennzeichneten Produkte nicht rangehen. Was die wenigsten nämlich wissen,  ist das diese so genannten Piktogramme mit Risikohinweisen in vielen Fällen noch eine „Untertreibung“ der tatsächlichen Risiken für den menschlichen Organismus und die Umwelt darstellen. Bei der sognannten „Einstufung“ oder im englischen „Classification“ der im Produkt enthaltenen Gefahrstoffe bedienen sich einige Hersteller in der Trickkiste und um so scheinbar potentielle Kunden nicht mit beunruhigender Symbolik auf der Produktverpackung vom Kauf abschrecken!

So werden in den Rezepturen der Produkte die Stoffkonzentrationen so gewählt, dass eine möglichst „harmlose“ Kennzeichnung der Verkaufsverpackung erreicht wird. Manches mal wird eine von zahlreichen Ausnahmegenehmigungen für Stoff und Anwendung zitiert, die das Produkt nach außen hin harmloser erscheinen lassen, als es nach aktuellem Stand der Forschung eigentlich ist.

Mal abgesehen davon, das viele Verbraucher auch mit Chemieerzeugnissen trotz Warnhinweisen recht entspannt umgehen, läuft Mitte 2015 eine Übergangsfrist aus, die dem ein oder anderen Hersteller im Bezug auf die Kennzeichnung der Produktverpackung noch Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Ab Juni 2015 müssen nämlich viele in Produkten verwendeten Gefahrstoffe verschärfter nach der sogenannten GHS (Global Harmonized System) eingestuft und gekennzeichnet werden.  Grund für diese Änderungen ist eine weltweite Anpassung der Kennzeichnungspflicht gefährlicher Stoffe in der Logistik. Vor dem Hintergrund globaler Warenströme ist es einfach notwendig, dass  Aussagen zu der Einstufung gefährlicher Stoffe einer einheitlichen internationalen und damit länderübergreifenden Regelung bedürfen.

Bei mehr als 70.000 Toten* pro Jahr durch direkten Umgang mit Chemikalien bzw. durch Spätfolgen durch den indirekten Umgang mit Chemikalien in Folge schlechter Arbeitsbedingungen – alleine in der EU – haben  die Gewerkschaften einen erheblichen Anteil zu der Verschärfung der Chemikaliengesetzgebung zur Verbesserung des Arbeitsschutzes beigetragen.

Kommen wir aber wieder zurück zu den Haushaltsreiniger  & Co.; Wer schützt denn eigentlich die Verbraucher im Umgang mit Chemiecocktails in Alltagsprodukten – oder sollte ich sagen wer schützt die Verbraucher vor sich selbst? Neben dem Urvertrauen einiger Konsumenten, dass Produkte die frei erhältlich sind, nicht wirklich gefährlich sein können, dosiert der Verbraucher ganz nach der Devise “viel hilft viel“! Da werden Konzentrate schon mal um das vielfache überdosiert – und Reiniger gemischt was das Zeug hält. Wenn wir dann Abends mit Kopfschmerzen ins Bett gehen war es in der Regel der Wetterumschwung dem wir die Schuld geben!

Aber muss das denn sein, dass wir unseren Körper und unsere Umwelt unnötig belasten? Ist unser unkritischer Umgang in Zeiten des Klimawandels und eines wachsenden ökologischen Gewissens so noch zu verantworten?Seit vielen Jahren versuchen Umweltorganisationen wie BUND und Greenpeace Verbraucher über die Wirkung von Chemikalien bei Mensch und Umwelt aufzuklären. Die Erfolgsbilanz ist zwar nicht bahnbrechend aber sehenswert!

So werden Hormonschadstoffe durch die App von ToxFox in Kosmetika transparent und besorgniserregende Schadstoffe in Textilien identifiziert. Die verarbeitenden Unternehmen werden somit öffentlich an den Pranger gestellt. Dieser Trend zu mehr Produkttransparenz ist noch viel präsenter wenn es um Lebensmittel geht. Die Frage wo mein Fleisch herkommt lässt sich heute ebenso leicht durch die F-Trace-App beantworten wie die Frage nach den Inhaltsstoffen meiner Fertiglasagne: Codecheck.info.

Das Resümee könnte also heißen, Verbraucher interessieren sich dafür BIO zu essen und Schadstoffe in der Nahrung zu vermeiden, um dann aber bei Hausputz & Co so richtig hinzulangen und durch falsche Anwendung und/oder Überdosierung Körper und Umwelt nachhaltig zu schädigen.

So paradox das klingt, in der Regel antworten die Hälfte aller Verbrauchern das Sie die Warnhinweise auf Produkten ignorieren. Weniger als ein Prozent aller Verbraucher haben schon mal ein Sicherheitsdatenblatt gesehen, dass umfassend über die Produktrisiken informiert und auf Nachfrage von jedem Händler oder Hersteller zu den mit Gefahrensymbolen gekennzeichneten Produkten bereitgestellt werden muss! In etwa dem gleichen Prozentsatz bewegt sich die Anzahl der Verbraucher die schon von ihrem Auskunftsrecht zu besorgniserregenden Stoffen in Erzeugnissen (REACH Art. 33) gebrauch gemacht haben.

Die Behörden sind über die letzten Jahre sehr viel aufmerksamer geworden und halten ein wachsames Auge auf die korrekte Deklaration von Produkten. Sei es die korrekte Angabe von Inhaltsstoffen als auch die rechtskonforme Einstufung von Chemikalien.

An die Adresse der Hersteller und Vertreiber der betreffenden Produkte sei gesagt, dass vor Ablauf der Übergangsfrist im Juni 2015 für die Produktkennzeichnung gemäß GHS vielleicht doch noch Hausaufgaben zu erledigen sind. Aktuell entsprechen erst 30% der veröffentlichten Sicherheitsdatenblätter und Produktverpackungen den neuen GHS / CLP Anforderungen. Packen wir es im Sinne der Verbraucher und zum Schutze der Umwelt an!

Ihr Frank Michel

*OSHA European Agency for Health &Safety 2009